Mapsa Road

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Kunstraum XVII, Hoyerswerda Ausstellung MAPSA ROAD 14.3. – 12.5.2020

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Die Mapsa Road – Text von Torsten Schlüter

Die Mapsa Road, eine kleine Verbindungsstraße im Südwesten Indiens, verbindet das Dorf Anjuna mit der quirligen, im Volksmund Mapsa genannten Kreisstadt Mapusa.

Entlang der Strecke erinnern strahlend weiße Kathedralen an den einstigen missionarischen Eifer der Portugiesen. Vasco da Gamas landete bei seiner Entdeckung des Seeweges nach Indien vor 500 Jahren an dieser Küste.

Immer wieder tauchen in leuchtendem Türkis, Ocker, Weiss und Blau, Villen aus der Kolonialzeit aus dem Grün. Kunstvolle Schnitzereien zieren Fenster und Türen. Von üppigen Säulen getragen Veranden sind den Gebäuden vorgelagert. Von den Veranden führen breite Treppen in verwilderte Gärten mit uralten Cashew- und Mangobäumen.

In einigen Gärten finden sich statt bunter Villen geschwärzte Ruinen, halb versunkenen im Dschungel und von Baumwurzeln überwuchert.

An Straßenkreuzungen stehen kleine Kapellen oder ebenso kleine Hindutempel. Katholiken und Hindus teilen sich den Glauben.

Die Szenerie wechselt. Halb verfallene, schuppenartige Behausungen aus Blech und Palmenstroh ducken sich nun an den Straßenrand. Frauen mit Holzbündeln, Wasserbehältern oder Sandschüsseln auf dem Kopf ziehen vorüber.
Aus einer Ruine ertönen psychedelische Klänge. Es wimmelt von Zweirädern. Einige Zigeunerinnen haben Teppiche am Boden ausgelegt. Die Frauen werfen ihre Kerosinkocher an. Auf ihren Teppichinseln bieten sie Omeletts und Chai, Früchte und Kuchen feil.

Die „Mapsalas“, jene kurzen steilen Bodenwellen, die alles Rollende zwingen die Geschwindigkeit zu drosseln, wenn es die Insassen nicht durch die Decke katapultieren soll, bremsen immer wieder den Verkehrsfluss.

Dennoch fühlt sich die Mapsa Road zunehmend hektischer an.

Nach einer ansteigenden Biegung wird es nun deutlich lauter und enger. Auch die Luft wird dünner. Unvermittelt befindet man sich mittendrin im typisch indischen Verkehrsgewimmel. Dicht an dicht drängen sich nun ärmliche Behausungen, winzige Krämerläden und Werkstätten. Zwischen den als Materiallager dienenden Schrottansammlungen am Straßenrand qualmen die Müllhaufen. Mein 500-er Eintopf tuckert royal durch das Getümmel tausender Zweiräder, Dreiräder, Autos, Busse und Trucks. Mit dabei auch jede Art von Getier. Abgase und brennender Müll ergänzen sich und bilden bissige Mixturen, die Mund, Nase, Auge attackieren. Das Atmen fällt schwerer. Ein über das halbe Gesicht gezogenes Tuch soll Schlimmeres verhindern. Das Gehupe und der anschwellende Motorenlärm hämmert in den Ohren.

Mehr und mehr Straßenverläufe fließen in die Mapsa Road. Immer langsamer bewegt sich der Strom und verwandelt sich in eine zähen Haufen. Im Haufen schiebt es, drängt es, stockt es und doch bewegt er sich. Wie – das kann Keiner erklären. Ist ebenso. Irgendwann ist das große Ziel, der Mapsa Markt erreicht. Nun wird es noch enger. Es beginnt die Königsdisziplin. Umkreisen des Marktes. Ausspähen einer Schulter breiten Parklücke. Bis ein anderes Zweirad diese irgendwann freigibt.

Danach beginnt die Arbeit.

Enfield Mechanic, Öl auf Leinwand, 80x100cm
Enfield Mechanic, Öl auf Leinwand, 80x100cm
True Buffalo, 2002, Öl auf Leinwand, 60x40cm
True Buffalo, 2002, Öl auf Leinwand, 60x40cm
Zusammengerückte Herde, 2017, Tintenstift, 17,5 x 25,5cm
Zusammengerückte Herde, 2017, Tintenstift, 17,5 x 25,5cm
Reiters Rad, 2017, Tintenstift, 17,5 x 25,5cm
Reiters Rad, 2017, Tintenstift, 17,5 x 25,5cm
Mir nach, 2017, Tintenstift, 17,5 x 25,5cm
Mir nach, 2017, Tintenstift, 17,5 x 25,5cm
Kunstraum XVII
Kunstraum XVII
Zirkus Shakespeare, 2017, Pastell, 25,5 x 17,5cm
Zirkus Shakespeare, 2017, Pastell, 25,5 x 17,5cm
Libelle am Brunnen mit Kr, 2007, Pastell, 25,5x17,5cm
Libelle am Brunnen mit Kr, 2007, Pastell, 25,5×17,5cm
Ruhephase, 2017, Pastell, 25,5 x 17,5cm
Ruhephase, 2017, Pastell, 25,5 x 17,5cm
Scelett Coast, 1998, Öl auf Leinwand, 175x125 cm
Scelett Coast, 1998, Öl auf Leinwand, 175×125 cm
Yellow and Red, Reiseskizzen, 2007, Pastell
Yellow and Red, Reiseskizzen, 2007, Pastell
Mapsa Road (Stehende Herde), 2004, Öl auf Lw, 50x70cm
Mapsa Road (Stehende Herde), 2004, Öl auf Lw, 50x70cm

Aus der Presse-Info:

Die „Mapsa Road“ ist eine Straße in Indien und steht als ein Symbol für das Stetige aber auch die Entwicklung in Schlüters Kunst. Seit über 25 Jahren füllt er in Indien seine Skizzenbücher, verschiedene Werkserien haben sich herausgebildet. Eines der Themen, an denen er sich immer wieder abarbeitet, sind seine „Brunnenfrauen“ – die wasserschöpfenden Frauen am Brunnen und die Wasserträgerinnen. Mit souveränem Strich hält Schlüter Begegnungen am Straßenrand fest oder auf Märkten, am Reisfeld und auch im wuseligen Verkehrstreiben. Die heilige Kuh frißt währenddessen sein Zeichenpapier, der stampfende Wasserbüffel droht das Motorrad umzuwerfen. All das vermittelt sich beim Betrachten seiner Arbeiten: Kraft und Lebendigkeit, Hitze und Staub, Bewegtheit und Rhythmus.

Witterung, 2020, Kohlezeichnung, 17,5 x 25,5cm
Witterung, 2020, Kohlezeichnung, 17,5 x 25,5cm
Rücken Freihalten, 2019, Kohle, 17,5x25,5cm
Rücken Freihalten, 2019, Kohle, 17,5×25,5cm
Rücken Freihalten, 2019, Kohle, 17,5 x 25,5cm
Rücken Freihalten, 2019, Kohle, 17,5 x 25,5cm
Freundlich, 2020, Kohlezeichnung, 17,5 x 25,5cm
Freundlich, 2020, Kohlezeichnung, 17,5 x 25,5cm

Aus dem Pressetext zur Ausstellung:

Neben vorhandenen Ungerechtigkeiten und Ausgrenzungen verkörpert Indien für Torsten Schlüter auch die Sinnhaftigkeit des Augenblicks. Wie kaum anderswo scheint der Künstler hier ein für sich besonders kreatives, inspirierendes Gegenüber zu finden. Die Arbeiten aus dem Indienzyklus bilden so auch einen Schwerpunkt der Ausstellung. In Schlüters Werk geht es immer wieder auch um die Nord-Süd-Themen. Den Indienarbeiten stehen deshalb auch großformatige Leinwände aus dem früheren kolonialen Namibiazyklus „Tulipamwe“ gegenüber sowie Zeichnungen zu indonesischen Hahnenkämpfen oder Skizzen und Radierungen zum Thema „Schluchten von Manhattan“. Die Ausstellung umfasst etwa 50 Arbeiten, großformatige Leinwände, Pastelle, Zeichnungen und Radierungen.

Herzlichen Dank an Michael Kruscha für die Einführung am 13.3.20 und an Rolf von Nordenskjöld für die musikalische Begleitung.

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Mr. Peach VIII, 2020, Pastell, 25,5x17,5cm
Mr. Peach VIII, 2020, Pastell, 25,5×17,5cm
Wall Street, 1994, Kaltnadelradierung, 40x20cm
Wall Street, 1994, Kaltnadelradierung, 40x20cm
In the Desert, 1995, Kaltnadelradierung
In the Desert, 1995, Kaltnadelradierung
The Hero, 1998, Pastell, 25,5x35,5cm
The Hero, 1998, Pastell, 25,5×35,5cm
Flight Mode, 1998, Pastell, 25,5x35,5cm
Flight Mode, 1998, Pastell, 25,5×35,5cm
Black Cat, 2017, Kohle, 40 x 29cm
Black Cat, 2017, Kohle, 40 x 29cm
Der Philosoph, 2012, Öl auf Leinwand, 80x120cm
Der Philosoph, 2012, Öl auf Leinwand, 80x120cm
Der Magier, 2019, Kohle, 17,5 x 25,5cm
Der Magier, 2019, Kohle, 17,5 x 25,5cm
Abschied von Europa, 1998, Öl auf Leinwand, 180x180cm
Abschied von Europa, 1998, Öl auf Leinwand, 180x180cm
Der Läufer, 1996, Öl auf Leinwand, 180 x 180cm
Der Läufer, 1996, Öl auf Leinwand, 180 x 180cm
Yakshi, 1996, Öl auf Leinwand, 175 x 175cm
Yakshi, 1996, Öl auf Leinwand, 175 x 175cm
Das Grosse Fressen, 1996, Öl auf Leinwand, 180x180cm
Das Grosse Fressen, 1996, Öl auf Leinwand, 180x180cm
Mr. Peach, 2020, Pastell, 25,5x17,5cm
Mr. Peach, 2020, Pastell, 25,5×17,5cm
Marute, 2003, Pastell, 25,5 x 17,5cm
Marute, 2003, Pastell, 25,5 x 17,5cm
Mit Blauem Krug, 2007, Pastell, 25 x 17cm
Mit Blauem Krug, 2007, Pastell, 25 x 17cm

Auf Wiedersehen!